Gesetzliche Feiertage

Stille Feiertage: Wo das Tanzverbot wirklich gilt

Stille Feiertage sind Tage, an denen die Feiertagsgesetze der Länder öffentliche Unterhaltung einschränken. Der Karfreitag ist in allen 16 Bundesländern geschützt, bei den übrigen Tagen gehen die Regeln weit auseinander.

Kurz gefasst

Das Tanzverbot steht nicht im Bundesrecht, sondern in 16 Landesgesetzen. Bayern schützt neun Tage und am Karfreitag rund um die Uhr, Berlin nur wenige Tage und nur zwischen 4 und 21 Uhr. Privat feiern darfst du überall.

Die kurze Antwort: Ein stiller Feiertag ist ein im Landesrecht besonders geschützter Tag, an dem öffentliche Tanz-, Musik- und Sportveranstaltungen eingeschränkt sind. Bundesweit still ist der Karfreitag, 2027 der 26. März. Ebenfalls in allen Ländern geschützt sind Volkstrauertag und Totensonntag, 2026 am 15. und 22. November. Alle weiteren Tage und die Uhrzeiten legt jedes Bundesland selbst fest.
16 Landesgesetze

Es gibt kein Bundesgesetz zum Tanzverbot. Zuständig ist immer das Land, in dem die Veranstaltung stattfindet.

Bis zu 9 stille Tage

So viele schützt Bayern. Andere Länder kommen mit drei bis vier Tagen aus.

4 bis 21 Uhr

So kurz ist das Zeitfenster in Berlin. In Bayern reicht der Osterschutz von Gründonnerstag bis Karsamstag durch.

Was ist ein stiller Feiertag überhaupt?

Ein stiller Feiertag ist eine Kategorie aus den Feiertagsgesetzen der Bundesländer. Diese Gesetze unterscheiden zwischen normalen Feiertagen und Tagen mit einem ernsten Charakter, die zusätzlich vor Lärm und öffentlicher Unterhaltung geschützt werden.

Wichtig ist die Trennung zweier Fragen. Ob du frei hast, entscheidet der Feiertagsstatus. Ob eine Party stattfinden darf, entscheidet der Stillestatus. Beides fällt oft zusammen, aber nicht immer: Der Buß- und Bettag ist außerhalb Sachsens ein Arbeitstag und in mehreren Ländern trotzdem ein stiller Tag.

Der Schutz gilt für öffentliche Veranstaltungen. Was in deiner Wohnung passiert, ist nicht betroffen. Auch eine geschlossene Familienfeier im Nebenraum einer Gaststätte fällt in der Regel nicht darunter, solange sie nicht öffentlich beworben wird.

Welche Tage sind still, und wann liegen sie?

Diese Übersicht zeigt die Tage mit ihren Terminen für 2026 und 2027 sowie die Länder, die sie schützen.

Stiller TagTermin 2026Termin 2027Wo geschützt
Aschermittwoch18. Februar10. FebruarVor allem Bayern
Gründonnerstag2. April25. MärzVor allem Bayern und Baden-Württemberg
Karfreitag3. April26. MärzAlle 16 Bundesländer, strengster Schutz
Karsamstag4. April27. MärzVor allem Bayern
Allerheiligen1. November1. NovemberBaden-Württemberg, Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland
Allerseelen2. November2. NovemberVor allem Bayern
Volkstrauertag15. November14. NovemberAlle 16 Bundesländer
Buß- und Bettag18. November17. NovemberMehrere Länder, unter anderem Bayern und Sachsen
Totensonntag22. November21. NovemberAlle 16 Bundesländer
Heiligabend ab 14 Uhr24. Dezember24. DezemberMehrere Länder, unter anderem Bayern

Die Listen unterscheiden sich im Detail und werden gelegentlich geändert. Verbindlich ist immer das Feiertagsgesetz des Bundeslandes, in dem die Veranstaltung stattfindet, nicht das deines Wohnorts.

Ab wann und bis wann greift das Verbot?

Auch die Uhrzeiten legt jedes Land selbst fest. Drei Muster kommen vor.

  • Ganztägig: Der Karfreitag ist in den meisten Ländern von 0 bis 24 Uhr geschützt. Das trifft auch die Nacht davor, weil Veranstaltungen um Mitternacht enden müssen.
  • Zeitfenster: Manche Länder schützen nur einen Ausschnitt des Tages. Berlin zieht die Grenze bei 4 bis 21 Uhr, danach darf wieder getanzt werden.
  • Durchgehender Block: Bayern schützt die Kartage am Stück, von Gründonnerstag in den frühen Morgenstunden bis zum Ende des Karsamstags.

Für Clubs heißt das praktisch: Die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag ist der kritische Punkt. In Berlin läuft sie bis 4 Uhr weiter, in Bayern ist bereits vorher Schluss.

Was ist konkret verboten?

Verboten sind öffentliche Veranstaltungen, die dem ernsten Charakter des Tages widersprechen. Die Gesetze zählen dafür Fallgruppen auf.

Meist untersagtMeist erlaubt
Öffentliche Tanzveranstaltungen und ClubbetriebPrivate Feiern in der eigenen Wohnung
Musikdarbietungen in Gaststätten, auch LivemusikHintergrundmusik in normaler Zimmerlautstärke
Sportveranstaltungen mit Publikum und BeschallungTraining und Wettkämpfe ohne öffentlichen Charakter
Volksfeste, Märkte und UmzügeGottesdienste und kirchliche Veranstaltungen
Kinofilme ohne Feiertagsfreigabe der FSKFilme mit Feiertagsfreigabe, Theater mit ernstem Stoff
Öffentliche Konzerte mit UnterhaltungscharakterKonzerte mit geistlicher oder ernster Musik

Gaststätten dürfen an stillen Tagen öffnen und Speisen servieren. Untersagt ist nur der Unterhaltungsteil. Die Grenze verläuft dort, wo aus einem Lokal eine Tanzfläche wird.

Was kostet ein Verstoß, und wer kontrolliert?

Ein Verstoß ist eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat. Zuständig sind die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden. Sie kontrollieren meist anlassbezogen, also nach Beschwerden aus der Nachbarschaft oder nach öffentlicher Werbung für eine Party.

Den Bußgeldrahmen setzt jedes Landesgesetz selbst. Er reicht von einigen hundert Euro bis in den vierstelligen Bereich, in einzelnen Ländern noch darüber. Getroffen wird in der Regel der Veranstalter oder der Betreiber, nicht der Gast.

Wenn du eine Veranstaltung planst, ruf vorher beim Ordnungsamt an. Die Auskunft ist kostenlos und dauert wenige Minuten. Sie schützt dich vor einer Absage am Veranstaltungstag.

Gibt es Ausnahmen, und wird das Verbot abgeschafft?

Ausnahmen sind möglich. Die Feiertagsgesetze erlauben den Kommunen, im Einzelfall eine Befreiung zu erteilen, etwa für ein Konzert mit besonderem Anlass. Der Antrag läuft über die Ordnungsbehörde und braucht Vorlauf.

Das Bundesverfassungsgericht hat diesen Punkt 2016 gestärkt. Es entschied zum bayerischen Feiertagsgesetz, dass ein ausnahmslos wirkendes Verbot ohne jede Befreiungsmöglichkeit mit der Religions- und Weltanschauungsfreiheit unvereinbar ist. Seitdem muss es einen Weg für begründete Einzelfälle geben.

Die politische Debatte läuft weiter. Mehrere Länder haben ihre Schutzzeiten in den vergangenen Jahren verkürzt. Humanistische Verbände und die Clubszene fordern eine weitere Lockerung, Kirchen und Teile der Landespolitik halten dagegen. Eine bundesweit einheitliche Regelung ist nicht in Sicht, weil das Feiertagsrecht bei den Ländern liegt.

Häufige Fragen

Gilt das Tanzverbot in ganz Deutschland gleich?
Nein. Jedes Bundesland hat ein eigenes Feiertagsgesetz mit eigener Tageliste und eigenen Uhrzeiten. Nur Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag sind überall geschützt.
Darf ich zu Hause an einem stillen Feiertag feiern?
Ja. Der Schutz betrifft öffentliche Veranstaltungen. Private Feiern in der Wohnung sind erlaubt, solange du die allgemeinen Regeln zum Lärmschutz und die Nachtruhe einhältst.
Wann ist Karfreitag 2027?
Am Freitag, dem 26. März 2027. Ostersonntag fällt 2027 auf den 28. März. Der Karfreitag ist in allen 16 Bundesländern gesetzlicher Feiertag und zugleich stiller Tag.
Sind Kinos an stillen Feiertagen geschlossen?
Nein, aber das Programm ist eingeschränkt. Gezeigt werden dürfen nur Filme mit Feiertagsfreigabe der FSK. Komödien und Actionfilme fallen an strengen Tagen meist heraus.
Wer verhängt das Bußgeld?
Das Ordnungsamt der Stadt oder Gemeinde. Adressat ist der Veranstalter oder der Betreiber der Räume. Gäste müssen mit einem Bußgeld normalerweise nicht rechnen.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr, keine Rechtsberatung.

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