Kalenderwissen

Lostage: Die wichtigsten Termine im Bauernjahr

Lostage sind Tage, an denen man nach altem Volksglauben das Wetter der kommenden Wochen ablesen kann. Die bekanntesten sind Lichtmess, die Eisheiligen und der Siebenschläfer.

Kurz gefasst

Die Termine hängen am Heiligenkalender. Viele Regeln stammen aus der Zeit vor der Kalenderreform von 1582 und passen deshalb heute eher zu einem Datum rund zehn Tage später.

Die kurze Antwort: Lostage sind feste Tage im Bauernjahr, an denen nach der Überlieferung das Wetter der folgenden Wochen entschieden wird. Danach richteten sich früher Aussaat, Ernte und andere Arbeiten. Die wichtigsten sind Mariä Lichtmess am 2. Februar, Petri Stuhlfeier am 22. Februar, die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai, Medardus am 8. Juni, Johanni am 24. Juni, der Siebenschläfer und Michaeli am 29. September.
2. Februar

Mariä Lichtmess, einer der ältesten Lostage und früher ein wichtiger Termin im Arbeitsjahr.

11. bis 15. Mai

Die Eisheiligen, nach der Regel die letzte Gefahr für Nachtfrost.

60 bis 70 %

So oft trifft die Siebenschläferregel in Süddeutschland zu, bezogen auf die erste Juliwoche.

Was ist ein Lostag?

Ein Tag im Bauernjahr, der nach altem Volksglauben für das Wetter der kommenden Wochen steht. Davon hing ab, wann gesät, gepflanzt oder geerntet wurde. Andere Namen sind Lurtage, Rotelstage oder Ratstage.

Im Wort steckt das alte Los im Sinne von Geschick. An diesem Tag wird das Los geworfen, so die Vorstellung, und das Wetter für die nächste Zeit festgelegt.

Die Daten orientieren sich am Heiligenkalender der Kirche. Deshalb tragen viele Lostage den Namen eines Heiligen. Einige waren zugleich Dingtage, also Termine, an denen Knechte und Mägde ihre Stelle wechseln konnten.

Welche Lostage sind die wichtigsten?

Die Tabelle zeigt die bekanntesten Lostage mit je einer überlieferten Bauernregel. Zu fast jedem Tag gibt es mehrere, teils widersprüchliche Varianten.

DatumLostagÜberlieferte Regel
2. FebruarMariä LichtmessGibt’s an Lichtmess Sonnenschein, wird’s ein später Frühling sein.
22. FebruarPetri StuhlfeierWenn’s friert auf Petri Stuhlfeier, friert’s noch vierzehnmal heuer.
11. bis 15. MaiEisheiligeGehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer juchhei.
8. JuniMedardusAn Sankt Medardus wird ausgemacht, ob 40 Tag die Sonne lacht.
24. JuniJohannistagBis Johannis wird gepflanzt, ein Datum, das du dir merken kannst.
27. JuniSiebenschläferWie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.
29. SeptemberMichaeliFallen die Eicheln vor Michael ab, so steigt der Sommer früh ins Grab.
3. NovemberHubertustagGedenktag des heiligen Hubertus, Schutzpatron der Jäger
25. DezemberWeihnachtstagAuftakt der zwölf Nächte bis zum 6. Januar

Die Regeln sind zitiert nach der Sammlung „Liste von Bauernregeln“ der Wikipedia. Regionale Fassungen weichen oft ab, im Norden gelten manchmal andere Heilige als im Süden.

Warum passt der Siebenschläfer eher zum 7. Juli?

Wegen der gregorianischen Kalenderreform von 1582. Die Bauernregel ist älter als die Reform. Damals wurden im Kalender einige Tage übersprungen, der alte 27. Juni liegt nach heutigem Kalender deshalb auf oder kurz vor dem 7. Juli.

Genau das zeigt sich auch in den Wetterdaten. Statistische Auswertungen ergaben, dass die Siebenschläferregel für den 27. Juni kaum taugt, für die erste Juliwoche in Süddeutschland aber in 60 bis 70 Prozent der Fälle zutrifft. Für 1991 bis 2020 wird sogar ein Wert von bis zu 73 Prozent genannt.

Der Grund ist die Großwetterlage. Ende Juni bis Anfang Juli stabilisiert sich der Jetstream oft für einige Zeit. Liegt er weit im Norden, dominieren Hochs im Süden, liegt er weiter südlich, ziehen Tiefs über Mitteleuropa. Für Norddeutschland mit seinem stärker maritimen Klima gilt die Regel dagegen nicht.

Wann sind die Eisheiligen, und stimmt die Regel?

Die Eisheiligen sind die Gedenktage von Mamertus am 11., Pankratius am 12., Servatius am 13., Bonifatius am 14. und der Kalten Sophie am 15. Mai. Im Norden zählen meist nur die ersten drei, im Süden alle fünf.

Auch hier greift die Kalenderverschiebung: Die Namenstage beziehen sich auf den julianischen Kalender, nach heutiger Zählung müsste man die Regel eine gute Woche später anwenden. Dazu kommt, dass es einander widersprechende regionale Fassungen gibt und die Regel wohl in einer kälteren Klimaphase entstanden ist.

Für den Garten bleibt ein praktischer Kern: Frostempfindliche Pflanzen erst setzen, wenn die Nächte verlässlich mild sind. Ein Blick auf die Wettervorhersage ist dafür zuverlässiger als das Datum.

Ähnlich praktisch ist eine Regel zum Johannistag: Stich den Spargel nie mehr nach Johanni. Bis heute endet die Spargelsaison traditionell am 24. Juni, damit sich die Pflanzen bis zum nächsten Frühjahr erholen können. Hier hat der Lostag also einen ganz handfesten Zweck, der mit Wetter nichts zu tun hat.

Was hat es mit Lichtmess auf sich?

Mariä Lichtmess am 2. Februar war früher einer der wichtigsten Termine im Jahreslauf. Mit ihm verbanden sich Zahlungsfristen und das Ende oder der Beginn von Arbeitsverhältnissen. Der Bauer sollte an diesem Tag noch die Hälfte seines Winterfutters auf Lager haben.

Viele Lichtmess-Regeln werten Sonnenschein als schlechtes Zeichen für den Frühling. In Nordamerika hat sich der 2. Februar als Groundhog Day erhalten, an dem ein Murmeltier das Wetter vorhersagen soll. Ein Spruch zur Tageslänge lautet: an Weihnachten um einen Hahnentritt, an Neujahr um einen Männerschritt, an Dreikönig um einen Hirschensprung und an Lichtmess um eine ganze Stund.

Was ist der Unterschied zu Schwendtagen?

Lostage sagen etwas voraus oder empfehlen Arbeiten. Schwendtage verbieten, etwas Neues zu beginnen. Beide stammen aus dem Volksglauben, verfolgen aber entgegengesetzte Ziele. Mehr zu den Unglückstagen steht bei den Schwendtagen 2027, zu den zwölf Nächten um den Jahreswechsel bei den Rauhnächten 2026/2027.

Wer astronomische statt überlieferte Termine sucht, findet den Frühlings- und Sommerbeginn bei Jahreszeiten-Beginn. Die Mondphasen, auf die sich manche Regeln ebenfalls beziehen, erklärt der Mondkalender, die Termine stehen bei Vollmond 2027.

Häufige Fragen

Wie viele Lostage gibt es?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Je nach Region und Überlieferung gelten unterschiedlich viele Tage als Lostage. Die bekanntesten sind Lichtmess, die Eisheiligen, Medardus, Johanni, der Siebenschläfer und Michaeli.
Stimmen Bauernregeln überhaupt?
Manche haben einen meteorologischen Kern, etwa die Siebenschläferregel für die erste Juliwoche in Süddeutschland. Viele andere sind regional begrenzt, widersprüchlich oder durch die Kalenderreform zeitlich verschoben.
Wann ist der Siebenschläfertag 2027?
Im Kalender steht er am Sonntag, 27. Juni 2027. Für die Wetterregel ist wegen der Kalenderreform aber eher die erste Juliwoche aussagekräftig, also die Tage um den 7. Juli.
Warum heißen sie Lostage?
Das Wort Los steht hier für Geschick oder Schicksal. An diesen Tagen sollte sich nach dem Volksglauben entscheiden, wie das Wetter und damit die Ernte der kommenden Zeit ausfällt.
Hat der Siebenschläfer etwas mit dem Tier zu tun?
Nein. Der Name geht auf die Legende von sieben jungen Christen zurück, die in einer Höhle bei Ephesos eingemauert worden sein sollen und dort sehr lange geschlafen haben.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Quellen: Wikipedia „Lostag“, „Siebenschläfertag“, „Eisheilige“, „Mariä Lichtmess“, „Liste von Bauernregeln“ · Brauchtum, keine Wettervorhersage.

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